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Gleitschirm-Kurs II (Juni 2010)

22 Höhenflüge habe ich hinter mir, nach dem 40. erhalte ich nach bestandener Prüfung den Schein. Hier einige Gedanken, die mir im Laufe des Kurses so gekommen sind, vielleicht für den einen oder anderen (noch) Nicht-Flieger interessant:

1. Es ist so einfach!

Bei gutem Wetter beginnt der Kurs in der Regel am Übungshang. Nach einigen Minuten Einweisung fliegt man dann bereits seine ersten Meter. Schon verrückt. Im Grunde könnte man mit diesem Wissen auch schon einen Flug vom richtigen Berg runter machen, wenn der Landeplatz groß genug ist und die Bedingungen ruhig sind. Tut man natürlich aber aus Sicherheitsgründen nicht.

2. Es ist so schwer!

Man muss einfach an alles denken. Man kann nicht einfach überall starten und fliegen, wo man eine nett geneigte Wiese findet. Wenn man da im Winter fliegen kann, heißt das noch lange nicht dass es auch im Sommer geht. Wenn man am Morgen starten kann, geht es am Nachmittag noch lange nicht. Wenn die Windfahne schön steht, heißt das noch lange nicht dass der Wind auch für den Flug oder die Landung passt. Simpler Sonnenschein reicht für eine Wanderung, aber macht noch lange kein Flugwetter.

Und wenn man dann endlich mal in der Luft ist, sollte man aufpassen wohin man fliegt. Über dem schönsten Berghang können fürchterliche Lee-Walzen lauern, und an bestimmten Stellen können sich Windgeschwindigkeiten bilden, die zur Einbahn werden, weil sie schneller als der Schirm sind. Und, und, und...

3. Es ist so vielseitig!

Das einfachste ist, z. B. im Winter bei ruhigen Bedingungen von einem Berg zu fliegen. Bei 1000 Höhenmetern landet man nach 15 Minuten wieder, und das war’s. Wenn man mit dem Lift wieder hochfährt, schafft man unzählige Flüge und Höhenmeter.

Wer mehr Flug und weniger Lift mag, der nutzt Aufwinde. Ein einziger Flug kann dann leicht viele Stunden dauern, und mit dem entsprechenden Können und der richtigen Ausrüstung kommt man dabei schon mal hunderte Kilometer weit (!).

Oder man fliegt Kunstflug (Acro). Aus einem friedlichen Flug wird so schnell mal ein Manöver, bei dem die g-Kräfte bis zur Bewusstlosigkeit führen. Die Beschleunigung oder Kurvenfahrt eines Autos schafft das nicht. Der Gleitschirm schon, und zwar ohne Treibstoff.

4. Es ist so schön!

Am 4. Juni hatte ich meinen bisher schönsten Flug: Es war der letzte Flug des Tages, die tief stehende Sonne tauchte die Landschaft in ein herrlich kitschig-goldenes Licht, und es ging überall hoch und ich flog vielleicht eine Dreivierteilstunde. Es wäre noch viel länger gegangen, aber die Fluglehrer wollten auch irgendwann Feierabend machen und gaben igendwann per Funk die Order, die Ohren anzulegen (eine sogenannte „Abstiegshilfe“) und in Richtung Landeplatz zu fliegen.

5. Es ist so furchtbar

Am Samstag waren wir erstmalig beim öffentlichen Startplatz. Es war die Hölle los, irre viele Flieger und auch Zuschauer. Während ich auf den Start wartete, durfte ich Zeuge unzähliger vermurkster Starts werden. Ich hoffte dass die Ursache die schlechten Piloten waren, und nicht der Startplatz oder die Bedingungen. Laut einiger kompetenter Aussagen entsprach meine Hoffnung der Wahrheit. Am Nachmittag gab’s dann eine Zwangspause weil’s beim Top-Landen (in diesem Fall eine Landung beim Startplatz) einen bösen Unfall gab und der Heli kam. Am Tag danach noch ein Unfall (Absturz eines Tandem-Fliegers in einen Baum), wieder viel Warten weil sich Rebecca um die Verletzte mit-kümmerte. Da könnt’s einem schon vergehen...

6. Es macht süchtig

Jeder nicht-fliegbare Tag ist ein verlorener Tag. Was bringt ein sonniges Wochenende, wenn es Föhn hat? Quasi ein Wochenende vor dem Fernseher. Bäh. ;-)

7. Lernen, lernen, lernen...

Man würde meinen, im Kurs lernt man das Fliegen, und dann kann man’s. Ich würde nun aber eher sagen dass man im Kurs die absoluten Grundlagen lernt, um mit dem Schein dann so richtig auf eigene Faust mit dem Lernen anfangen zu können. Es gibt schon 1000 Dinge die ich unmittelbar nach dem Scheinerwerb unbedingt machen, probieren und erfragen möchte...

Zum Beispiel überlege ich mir gerade den Einstieg in den Streckenflug. Von der Niederen zur Winterstaude müsste eigentlich machbar sein. Dann weiter gen Südosten. Schaff ich’s irgendwann bis nach Schröcken? Und ein Riesen-Dreieck mit Flug über die Silvretta und zurück in den Would? Wann flieg ich das erste Mal vom Staufen, quasi meinem Hausberg und lande bei Tsukis Oma auf der Wiese für einen Kaffee? Wann kann ich vom Golm über den Drei Türmen und der Sulzfluh kreisen?


Am Donnerstag den 17. 6. wird hoffentlich wieder geflogen. Dann möchte ich noch zwei Schirme ausprobieren, mich dann entscheiden, und dann wär's toll wenn ich Flugaufträge für lehrerlose Flüge ausfassen könnte, und wenn wir mal wo Groundhandeln würden. Die Anne überlegt sich schon bei 2 Wettbewerben mitzutun. Ja wild. Ob ich sie wohl jemals einhole? :)



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