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Von verständnisvollen Monstern

Vom von den Blättern tropfende Regenwasser bin ich schon vollkommen durchweicht. Eine kleine Spinne mit zwei gelben Punkten am Hintern krabbelt ein wenig schwerfällig durch den Häärchenwald des Kragens meiner Jacke. Ich habe keine Energie um mich mit der Spinne zu beschäftigen und lasse sie weiterkrabbeln. Ich bilde mir ein dass mich jemand gerufen hat. Jetzt wieder. Die Stimme kam von hinten, war aber durch das Prasseln des Regens auf dem Laub des Buchenwalds kaum auszumachen. Ich will nicht antworten, und ich will nicht stehenbleiben. Deshalb rede ich mir ein dass mich niemand gerufen hat und stapfe weiter durch das nasse Laub. Die einzige Abwechslung ist, dass ab und zu mal ein Ästchen knackend zerbricht, nachdem ich darauf getreten bin. Einiger Zeit später - mir fällt langsam auf dass es recht kühl ist - stolpere ich über etwas. Nach einem kurzen, aber herzhaften Fluch und mit dem Vorsatz, die Ursache für den temporären Verlust des aufrechten Ganges zu finden und zu bestrafen, drehe ich mich um. Nachdem ich die bunten Blätter weggeschoben habe, sehe ich einen massive, metallbeschlagene Falltür aus Eichenholz, in der ein großer Ring eingelassen ist, der wohl für mein Stolpern zur Verantwortung zu ziehen ist. Ich bin so verdattert dass ich mitten im Wald so eine Tür finde, dass ich ihr gar nicht richtig böse sein kann. Stattdessen ziehe ich sie auf und starre in das quadratische schwarze Loch, das sich darunter befindet. (Späterer Einschub: Ich nehme das Loch, falte es sorgfältig zusammen und packe es in meinen Rucksack. So ein Loch wird mir vielleicht noch nützlich sein, denke ich mir, und es wiegt ja auch nicht viel da es ja nur aus Luft besteht und im Prinzip ja das Gegenteil von Materie ist. Allerdings muss ich gut aufpassen dass der Rucksack, in dem sich das Loch nun befand, nicht in selbiges reinfällt. [fortzusetzen]) Auf einer Seite kann man grobe Metallstufen erahnen. Neugierig, und außerdem einem warmen und trockenen Plätzchen nicht abgeneigt, klettere ich hinunter und schließe die Türe über mir. Einige Zeit später wird wieder genug Herbstlaub auf der Türe liegen, um sie unkenntlich zu machen. Rund 10 Meter klettere ich in absoluter Dunkelheit in die Tiefe. Eine Sprosse fehlt - heimtückisch. Unten angekommen, entzünde ich mein kleines Öllämpchen, dessen flackerndes gelbes Licht mir zögernd die Umgebung vorstellt. Ich befinde mich in einem kleinen, in den Fels gehauenen Raum, von dem zwei Gänge abzweigen. Ähnlich wie der durch den ich heruntergestiegen bin, jedoch horizontal. Aufrecht Gehen würde darin somit nicht möglich sein. Ein leichter Luftstrom weht vom linken in den rechten Gang, wie ich aus dem protestierenden Flackern des Lämpchens folgere. Plötzlich steht ein riesiges, schwarzes Monster mit giftigen Stacheln und unzähligen schleimigen Tentakeln vor mir und schaut mich böse an. Ich weise das Monster darauf hin dass der Zeitpunkt seines Erscheinens ausgesprochen ungünstig ist, da ich jetzt mit Schreiben aufhören und zu einem großen, langen Termin fahren muss. Das Monster hat Verständnis für die unglückliche Situation und verspricht, so lange zu warten. Ich verabschiede mich mit einem freundlichen Nicken und entmaterialisiere. [fortzusetzen]
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