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Ferolars-Riese: Diesmal aber wirklich! (8. 4. 2007)

Ja also ich muss gleich mal gestehen: Eine Aussage im letzten Eintrag war glatt gelogen -- wir waren am 17. 3. nicht in der Höhle, weil wir sie nicht gefunden haben. Der Optimismus war wohl zu groß und ließ uns auf Dinge wie Höhenmesser, Kompass und Karten/GPS verzichten. Aber wie dem auch sei, gestern hat es dann doch noch geklappt. Alex hat mich dankenswerterweise auf eine Tour in die Ferolars-Riese-Höhle mitgenommen, auch eine Katharina (man vergebe mir eine allfällig falsche Schreibweise) war mit von der Partie. Nach einer knapp einstündigen Wanderung kamen wir zum Eingang. Zu meiner Belustigung stellte ich fest dass er nur vielleicht 40m von einer Stelle entfernt war, wo wir letztes Mal vergeblich gesucht hatten. Wie sich nachher herausstellen sollten sind wir bei der damaligen Suche auch noch an einer weiteren Höhle ahnungslos vorbeigestiefelt -- vielleicht in 20m Entfernung. Und bei der Rückwanderung zum Auto hat uns Alex auf ein weiteres halbes Dutzend Höhlen Höhlen in der unmittelbaren Umgebung hingewiesen. Aber zurück zur Ferloars-Riese-Höhle: Das Umziehen nahm einige Zeit in Anspruch -- ich kleidete mich in einem adretten roten "Schlaz" (der jetzt braun ist), Gummistiefel, Gummihandschuhe, Helm, zwei Stirnlampen und bastelte mir dann noch einen improvisierten Schleifsack für Fotoapparat und Blitzgerät. Alex riet mir von der Mitnahme des Sacks noch ab, aber ich musste es ja besser wissen. Ja, und dann verbrachten wir 6,5 Stunden im Inneren von Mutter Erde. Engstellen waren auf der Tagesordnung. Aufrechter Gang war quasi kaum möglich, die relevanten Fortbewegungsarten waren Kriechen, Robben, Krabbeln und gebückter Gang war schon als "Luxus" zu bezeichnen. Besonders lustig wird es wenn man irgendwie in einem Spalt steckt, den Kopf nicht drehen kann, man die Extremitäten nicht dorthin bringt wo man sie braucht und generell zu viele Extremitäten hat die einem nur im Weg sind.
Thumbnail Der Eingang...
...der mit seiner Enge gleichmal einen Vorgeschmack des Inneren liefert!
Thumbnail Einer der ersten...
...Fotoversuche. Gut zu sehen der Rotton von Alex' Karbidlampe. Kein Blitz, aber Stativ.
Thumbnail Einer der bequemeren Räume...
...in dem ich meine Fotoausrüstung dann bis zum Rückweg zurückließ.
Thumbnail Hätte eigentlich...
...ein Foto eines Sinterröhrchens werden sollen, hat aber scheins nicht ganz geklappt. Durchschauen durch Sucher war quasi unmöglich, Scharfstellen ergo auch, und die Frontlinse beschlug andauernd. :)
Im Eingangsbereich verkam mir eine Maus, und im Inneren der Höhle beschränkte sich die Fauna auf Spinnen, die teilweise von Schimmel überzogen (und entsprechend tot) die Wände zierten. Der Schimmel beschränkte sich dabei auf den Körper und die reichlich vorhandenen Kniegelenke, was ausgesprochen amüsant war. Relativ bald ließ ich meinen "Schleifsack" in einem Raum zurück und bewegte mich mit 2 freien Händen weiter - wahrlich eine Erleichterung. Wir begingen Gangsysteme in denen vermutlich noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist und begannen irgendwann mit der Vermessung eines Höhlenteils -- wobei man das "wir" ehrlicherweise auf Alex und Katharina beschränken muss. Meine Aufgabe beschränkte sich eher aufs Frieren, denn ohne kontinuierliche Bewegung wird einem in dem nassen Zeug schnell bitterkalt. Jetzt mag einer einwerfen dass ich mich ja bewegen hätte können, aber, haha, ich war mir nicht mal mehr sicher mit meinem Restbestand an Energie überhaupt noch den Ausgang zu erreichen. :) In der Höhle selbst gab es vieles zu sehen: Tropfsteine, Sinterröhrchen, Sinterfahnen, die verschiedensten Gangprofile, Raumformen und Gesteinsarten. Es gab auch einige Kletterstellen die nicht ganz ohne waren. Teilweise motivierten sie zur Eile, indem sie einen kontinuierlich mit kaltem Wasser beträufelten. Zwar war das Klettern in der Theorie kein Problem, da man sich in den stets vorhandenen Wänden einkeilen konnte, aber etwas ungewohnt ist es hald doch, und wenn der Energielevel schon weit unter 100% liegt erleichtert das die Sache auch nicht gerade. Und so nebenbei weiss man ja dass ein Unfall in der Höhle wesentlich heikler ist als im freien Gelände. Hubschrauber tun sich mit Bergungen aus Höhlen z. B. meisst schwer.
Thumbnail Der Schlaz
Früher rot, jetzt braun.
Thumbnail Der Helm
Mit 2 Stirnlampen, von denen ich meinte dass sie dann zusammen wohl so richtig hell wären.
Thumbnail Alex und Katharina...
..haben sich als den schlammigen Schlazen geschält und glänzen nun wieder mit sauberer Top-Kleidung.
Thumbnail Der Schleifsack
Welchen zu schleifen ich mir zwar nicht richtig traute, ein klein wenig dreckig scheint er aber trotzdem geworden zu sein. Das Sack war übrigens einmal *weiss*.
Ja also faszinierend war es schon. Dass es so lange schmale unterirdische Gänge gibt. Etwas ernüchternd war einmal wie sehr so was auf die Kondition geht. Der Muskelkater den ich hab würd für 5 Beine und 5 Arme reichen. Das gilt auch für die blauen Flecken bei Knien und Ellbogen. Muss wohl das nächste Mal in so ner American-Football-Ausrüstung reinmarschieren, blos bekomm ich damit wohl schon an der ersten Engstelle Probleme. Ja, und was auch noch ernüchternd war ist wie schwer ich mir mit der Orientierung getan hab. Ich kannte zwar den bestehenden Plan halb auswendig, aber "in echt" ists einfach komplett was anderes. Da gibts in jeder Richtung Löcher und Spalten und man hat fürs erste mal gar keine Ahnung obs da weitergeht, ob es Sackgassen sind oder ob man überhaupt durchkommen würd. Dabei sieht die Höhle auf dem Plan ja total linear aus! So als ob man gemütlich durchmarschieren könnte und schlussendlich "Ah, das Ende!". Mitnichten! Bei der nächsten Gelegenheit möchte ich mir zumindest den Anfangsteil mal mit Tsuki ansehen und auch mal einige vernünftige Fotos versuchen. Die gestrige Ausbeute war ja nicht wirklich was. Was ich auch noch gelernt hab: Man darf hald wirklich die Ausrüstung nicht unterschätzen, die ist extrem wichtig. Es muss Zeug sein das entweder keine Löcher bekommt wenn man sich damit 10x über Fels schiebt, oder wo es Wurst ist wenns Löcher bekommt. Dann sollte es nach Möglichkeit wasserdicht sein, oder das drunter. Dann waren mir mal selbst die beiden Stirnlampen zusammen etwas zu duster und vor allem zu eng fokussiert. Und mit dem Sitz des Helms war ich auch nicht zufrieden, auch nicht mit dem Druck des Riemens auf den Hals. Und so Gummihandschuhe muss ich mir auch zulegen. Da muss ich mir echt was überlegen fürs nächste Mal... Mir taugt die Sache schon, aber ich muss wohl abwägen ob ich jetzt so schnell einige Hunnis für gscheite Ausrüstung rauswerfe.
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